Ist die Dividende sicher? Die Dividend Coverage Ratio

Zuletzt aktualisiert am 8. August 2023 von Tools-for-Trader

Einleitung

Wenn du in Dividendenaktien investierst, ist eine der wichtigsten Parameter die Dividendenzahlung. Dividenden bieten einen beständigen Einkommensstrom und werden oft auch als Maßstab für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens angesehen. Für Anleger ist es jedoch wichtig, die Nachhaltigkeit der Dividenden zu beurteilen, bevor sie Investitionsentscheidungen treffen. An dieser Stelle kommt meistens die Dividend Payout Ratio ins Spiel. Auf Deutsch: Dividenden-Auschüttungsrate. Meiner Meinung nach gibt es aber eine bessere Kennzahl zur Beurteilung der Sicherheit von Dividenden. Die Dividend Coverage Ratio.

In diesem Artikel befassen wir uns mit dem Konzept der Dividend Coverage Ratio (DCR), dem Unterschied zur Dividend Payout Ratio, sowie alternative Berechnungsmethoden auf Basis des operativen Cashflows. Am Ende wirst du verstehen, wie du die DCR in die Bewertung deiner Dividendenaktien einbeziehen, um so die Sicherheit für zukünftige Dividenden zu evaluieren.

Was ist die Dividend Coverage Ratio?

Die Dividend Coverage Ratio (DCR) ist eine Finanzkennzahl, die häufig von Dividendeninvestoren verwendet wird. Sie bewertet die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Dividendenzahlungen durch seine Gewinne zu decken. Dabei bewertet die DCR indirekt auch die finanzielle Gesundheit und Nachhaltigkeit der Dividendenpolitik eines Unternehmens und somit die Qualität des Managements. In Kurzfassung gibt die Dividenden Coverage Ratio Aufschluss darüber, ob ein Unternehmen genug Gewinn erwirtschaftet, um seine Dividendenausschüttung zu finanzieren.

Berechnung der Dividend Coverage Ratio

Um die Dividend Coverage Ratio (DCR) zu berechnen, brauchst du zwei wichtige Informationen:

  • Den Nettogewinn des Unternehmens
  • Die Summe der ausgeschütteten Dividenden.

Ersteres erhältst du aus dem Income-Statement (Gewinn- und Verlustrechnung). Letzteres aus dem Cashflow-Statement (Kapitalflussrechnung).

Ist die Dividende sicher? Die Dividend Coverage Ratio - Income Statement MMM
EBIT MMM (Finbox)
Ist die Dividende sicher? Die Dividend Coverage Ratio - Cashflow Statement MMM
Ausgeschüttete Dividenden MMM (Finbox)

Die Formel für die DCS lautet wie folgt:

Dividend Coverage Ratio = Nettoeinkommen / ausgeschüttete Dividenden

Betrachten wir ein Beispiel, um diese Berechnung zu veranschaulichen. Nehmen wir an, das Unternehmen XYZ hat in einem bestimmten Zeitraum einen Nettogewinn von 10 Millionen US-Dollar erzielt und 2 Millionen US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet. Nach der Formel würde die Dividend Coverage Ratio wie folgt lauten:

Dividend Coverage Ratio = 10 Mio. $ / 2 Mio. $ = 5

Dieser Wert von 5 bedeutet, dass der Nettogewinn von Unternehmen XYZ fünfmal so hoch ist wie die gezahlten Dividenden, was erstmal darauf hindeutet, dass das Unternehmen seine Dividendenverpflichtungen gut erfüllen kann.

Exkurs: Abgrenzung zur Dividend Payout Ratio (Dividenden Ausschüttungsquote)

Häufig nutzen Investoren die Dividend Payout Ratio (Dividenden Ausschüttungsquote). Bei dieser handelt es sich um den Kehrwert der Dividend Coverage Ratio. Mit einer Multiplikation von 100 erhältst du den Wert dann in Prozent. Die Payout Ratio wird wie folgt berechnet:

Dividend Payout Ratio = ausgeschüttete Dividenden / Nettoeinkommen * 100

Als Ergebnis erhältst du hier einen Prozentwert. Hohe Ausschüttungsquoten nahe 100 % oder größer sollten immer ein Warnsignal sein und bedürfen weitere Recherche. Mehr dazu aber im weiteren Verlauf des Artikels.

Interpretation der Dividend Coverage Ratio

Nachdem du nun weißt, wie du die Dividend Coverage Ratio (DCR) berechnen kannst, wollen wir uns ansehen, wie du ihren Wert interpretieren kannst. Je höher die DCR, desto besser kann das Unternehmen seine Dividendenzahlungen aus den Erträgen decken. Ein Wert über 1 zeigt an, dass das Unternehmen mehr Gewinn erwirtschaftet, als es an Dividenden ausschüttet, was auf eine nachhaltige Dividendenpolitik hindeutet. Eine Kennzahl unter 1 gibt Anlass zur Sorge, ob das Unternehmen in der Lage ist, seine Dividendenverpflichtungen zu erfüllen, was auf eine nicht nachhaltige Dividendenpolitik hindeuten könnte.

Damit die Dividendenzahlung als sicher angesehen werden kann, sollte die Dividend Coverage Ratio also deutlich über 1 sein. Unternehmen mit Dividend Coverage Ratios von 2 oder mehr können auch mal weniger Gewinne erzielen und dennoch eine sichere Dividende zahlen.

Faktoren, die sich auf die Dividend Coverage Ratio auswirken

Mehrere Faktoren können die Dividend Coverage Ratio eines Unternehmens beeinflussen. Diese Faktoren zu berücksichtigen, bietet dir ein umfassendes Bild von der Fähigkeit des Unternehmens, seine Dividendenzahlungen aufrechtzuerhalten. Einige wichtige Faktoren, die zu berücksichtigen sind, sind die Folgenden:

Ertragsstabilität:
Unternehmen mit beständigen und stabilen Erträgen haben mit größerer Wahrscheinlichkeit eine höhere Dividend Coverage Ratio.

Branchenbedingungen:
Bestimmte Branchen sind von Natur aus stabiler und erwirtschaften einen stetigen Cashflow, was zu einer höheren DCR führt.

Verschuldungsgrad:
Unternehmen mit einer hohen Verschuldung können Schwierigkeiten haben, ihre Dividendenzahlungen aufrechtzuerhalten, was zu einem niedrigeren Verhältnis führt. Somit sind Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsgrad oder keinen Schulden immer zu bevorzugen.

Konjunkturzyklus
Konjunkturelle Abschwünge können sich auf die Erträge eines Unternehmens auswirken und damit auch auf die Dividendendeckungsquote.

Ausschüttungspolitik
Unternehmen mit einer konservativen Dividendenpolitik haben in der Regel einen höheren Dividendendeckungsgrad.

Die Bedeutung der Dividend Coverage Ratio für Dividendeninvestoren

Die Dividend Coverage Ratio ist aus den folgenden Gründen für Investoren wichtig:

Sicherheit der Dividende:
Die Kennzahl hilft dir, die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen eines Unternehmens zu beurteilen und stellt sicher, dass du in Unternehmen investierst, die in der Lage sind, ihre Dividenden zu decken.

Risikomanagement:
Eine hohe Dividend Coverage Ratio deutet auf ein geringeres Zahlungsausfallrisiko hin. Denn das Unternehmen verfügt über Finanzpolster, um unerwartete finanzielle Herausforderungen zu bewältigen, ohne seine Dividendenzahlungen zu gefährden.

Langfristige Anlageperspektive:
Dividendeninvestoren, die langfristig investoeren, sind auf Dividenden angewiesen. Eine gute Dividend Coverage Ratio deutet darauf hin, dass sich ein Unternehmen zu einer konsistenten Dividendenpolitik verpflichtet hat, was seine Attraktivität als Anlageoption für diejenigen erhöht, die langfristig ein verlässliches Einkommen suchen.

Alternative und bessere Berechnung der DCR auf Basis operativem Cashflow

Während die traditionelle Dividend Coverage Ratio das Verhältnis zwischen Nettogewinn und Dividendenausschüttung berechnet, gibt es einen alternativen Ansatz, bei dem anstelle des Nettogewinns der Cashflow aus dem operativen Geschäft verwendet wird. Diese alternative Berechnung bietet eine zusätzliche Perspektive und aus meiner Sicht auch noch sicherere Perspektive auf die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Dividenden zu decken.

Bei diesem Ansatz handelt es sich um die Methode, die ich nur noch für meine Bewertungen nutze.

Berechnung der DCR mit operativem Cashflow

Um die Dividend Coverage Ratio anhand des operativen Cashflows zu berechnen, brauchst du den operativen Cashflow des Unternehmens und die Summe der ausgeschütteten Dividenden.

Den operativen Cashflow und die ausgeschütteten Dividenden findest du im Cashflow-Statement (Kapitalschlussrechnung) des Unternehmens.

Dividend Coverage Ratio mit operativem Cashflow und Dividenden berechnen
Cashflowstatement MMM in Finbox

Die Formel für die DCR auf Basis des operativen Cashflows lautet dann wie folgt:

Dividend Coverage Ratio = Cash Flow aus dem operativen Geschäft / ausgeschüttete Dividenden

Diese alternative Berechnungsmethode auf Basis des operativen Cashflows berücksichtigt nun nur Einnahmen aus dem Kerngeschäft des Unternehmens. Damit verfolgt die modifizierte DCR einen noch konservativeren und sicheren Ansatz, um die Dividendenzahlungsfähigkeit eines Unternehmens zu beurteilen.

Beispielrechnung der DCR auf Basis des operativen Cashflows

Die Berechnung erfolgt nun wie gehabt. Wir ersetzen lediglich den Nettogewinn aus der oberen Formel durch den operativen Cashflow.

Betrachten wir ein praktisches Beispiel, um diese alternative Berechnung zu veranschaulichen. Nehmen wir an, das Unternehmen ABC hat in einem bestimmten Zeitraum einen Gewinn von 15 Mio. USD erwirtschaftet. Hierbei sind auch Firmenverkäufe, Abschreibungen, usw eingerechnet. Der operative Cashflow in diesem Zeitraum betrug von 6 Mio. USD und 3 Mio. USD als Dividende ausgeschüttet. Nach der DCR Formel würde die Dividend Coverage Ratio wie folgt lauten:

Dividend Coverage Ratio auf Basis operativem Cashflows = 6 Mio. $ / 3 Mio. $ = 2

Berechnen wir allerdings die DCR auf Basis des Nettogewinns erhalten wir:

Dividend Coverage Ratio auf Basis des Nettogewinns = 15 Mio. $ / 3 Mio. $ = 5

Wie du siehst, unterscheiden sich die Ergebnisse deutlich. Je nachdem, ob wir Nettogewinn oder operativen Cashflow nutzen.

Nettogewinn oder operativer Cashflow?

Die Berechnung der Dividend Coverage Ratio anhand des Cashflows aus der Geschäftstätigkeit bietet meine Meinung nach bessere Perspektive auf die Dividendensicherheit eines Unternehmens. Sie berücksichtigt nur die aus dem Tagesgeschäft erwirtschafteten Mittel und ist damit ein direkteres Maß für die Fähigkeit des Unternehmens, Dividendenzahlungen zu finanzieren. Während der Nettogewinn aufgrund von Abschreibungsmodalitäten, nicht-wiederkehrenden Ereignissen, etc.., von Buchhaltern „schöngerechnet“ werden kann, ist der operative Gewinn quasi nicht verfälschbar.

Wie bei jeder Finanzkennzahl ist es notwendig, die Dividend Coverage Ratio im Zusammenhang mit der allgemeinen Finanzlage des Unternehmens, der Branchendynamik und anderen relevanten Faktoren zu analysieren. Gründliche Recherchen, die Berücksichtigung mehrerer Kennzahlen.

Wo kannst du die DCR zu deinen Aktien finden?

Eine der besten und umfangreichsten Plattformen hierfür ist meiner Meinung nach Finbox.com.

Finbox ist eine umfassende Finanzanalyseplattform, die eine Reihe von Tools und Daten für Investoren bietet. Die Nutzer können nach bestimmten Aktien suchen und detaillierte Finanzinformationen abrufen. Darunter auch die DCR auf Basis des operativen Cashflows. Finbox bietet eine Vielzahl von Bewertungsmodellen und Finanzkennzahlen, die Anlegern helfen, die finanzielle Gesundheit und Dividendensicherheit von Unternehmen zu beurteilen.

Dividend Coverage Ratio bei Finbox.com
Dividend Coverage Ratio für MMM in Finbox

Finbox bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche und anpassbare Finanzmodelle, die es den Nutzern ermöglichen, tiefgreifende Analysen durchzuführen. Die Plattform bietet Einblicke in die Dividend Coverage Ratio eines Unternehmens sowie in andere relevante Finanzkennzahlen und Bewertungskennzahlen. Die Nutzer können historische Trends untersuchen, Unternehmen innerhalb einer Branche vergleichen und individuelle Berichte erstellen.

Alternativ findest du natürlich auch alle Unternehmenszahlen auf den gängigen Finanz-Onlinepattformen wie Google Finance, Yahoo Finance oder Seekingalpha. Aber auch Tradingview bietet mittlerweile sehr gute fundamentale Kennzahlen.

Fazit und Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Dividend Coverage Ratio eins der wichtigsten Tools für Dividendeninvestoren ist, um die Sicherheit und Nachhaltigkeit von Dividendenzahlungen zu beurteilen. Durch die Berechnung der Kennzahl anhand des Nettogewinns oder des Cashflows aus der Geschäftstätigkeit können Anleger Einblicke in die Fähigkeit eines Unternehmens gewinnen, seine Dividenden zu decken. Und so schließlich fundierte Investitionsentscheidungen treffen.

Die traditionelle Berechnung der DCR anhand des Nettoeinkommens liefert eine Momentaufnahme der Erträge eines Unternehmens im Vergleich zu seinen Dividendenzahlungen. Eine Kennzahl über 1 deutet auf eine gesunde Fähigkeit zur Deckung der Dividenden hin, während eine Kennzahl unter 1 Anlass zur Sorge über die Nachhaltigkeit der Dividenden gibt.

Noch besser ist meiner Meinung nach aber die Verwendung des operativen Cashflows, da dieser im Gegensatz zum gemeldeten Gewinn nicht schöngerechnet werden kann.

Alternativ dazu bietet die Berechnung des Cashflows aus der Geschäftstätigkeit eine andere Perspektive auf die Dividendendeckung eines Unternehmens. Er misst den Cashflow, der durch das Kerngeschäft des Unternehmens erwirtschaftet wird und liefert so eine direkte Einschätzung der Fähigkeit, die Dividenden zu finanzieren.

Natürlich ist die Dividend Coverage Ratio nicht die einzige Kennzahl für Investitionsentscheidungen. Sie sollte immer im Paket mit anderen Kennzahlen und Analysieren zusammen Anwendung finden.


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