Der Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein

Zuletzt aktualisiert am 21. November 2023 von Tools-for-Trader

Im Folgenden Beitrag erfährst du den Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein. Gerade als Börsenneuling hört und wirst du vermutlich immer wieder von Optionsscheinen lesen. Meistens bewerben die Banken Optionsscheine und versprechen dem Anleger damit schnelle Gewinne.

Dabei sind Optionsscheine nicht zu verwechseln mit den börsengehandelten Optionen. Während Optionen sehr vielfältig einsetzbar sind, profitieren von Optionscheinen hauptsächlich nur die Banken. Denn bei Optionsscheinen handelt es sich um ein Produkt, was speziell die Banken zu vermarkten versuchen.

In diesem Beitrag geht es also um den Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein. Möchtest du ein regelmäßiges Einkommen an der Börse generieren, so sind Optionen ein passendes Vehikel. Nicht aber Optionsscheine. Warum das so ist, wirst du in diesem Beitrag erfahren.

Was ist eine Option?

Vertrag zwischen zwei Parteien

Um zu verstehen, was ein Optionsschein ist, wollen wir uns zunächst die Option genauer angucken. Eine Option ist nichts anderes, als ein Vertrag zwischen zwei Parteien, der an der Börse gehandelt wird. Dabei unterscheidet man zwei Optionstypen. Die Put- und die Call-Option.

Bei einer Call-Option hat der Käufer dieser Option das Recht, einen festgelegten Basiswert zu einem festgelegten Kurs zu kaufen. Der Verkäufer dieser Option hat dann die Pflicht, den Basiswert zu diesem festgelegten Kurs zu verkaufen. Da die Option eine endliche Laufzeit hat, erlischt das Recht zum Ende der Laufzeit. Der Käufer zahlt dem Verkäufer der Option hierfür eine festgelegte Prämie, um sich dieses Recht zu sichern.

Bei einer Put-Option hat der Käufer dieser Option das Recht, einen festgelegten Basiswert zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Der Verkäufer dieser Option hat dann die Pflicht, den Basiswert zu diesem festgelegten Kurs zu kaufen. Da auch diese Option eine endliche Laufzeit hat, erlischt das Recht zum Ende der Laufzeit. Auch hier zahlt der Käufer dem Verkäufer der Option hierfür eine festgelegte Prämie, um sich dieses Recht zu sichern.

Standardisierung

Optionen sind standardisierte (heutzutage digitale) Verträge zwischen zwei Parteien. So bezieht sich z.B. eine Aktienoption auf 100 Stück des Basiswertes. Infolgedessen hat der Käufer der Option, je nach Optionstyp (Put oder Call-Option), das Recht 100 Aktien des Basiswertes zu kaufen oder zu verkaufen. Weitere eindeutige Parameter der Option neben dem Basiswert sind der Strike und die Laufzeit der Option. Stimmen diese überein, so handelt es sich immer um exakt die gleiche Option.

Freier Handel an der Optionsbörse

Einer weiterer, sehr wichtiger Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein ist die Standardisierung. Da eine Option standardisiert ist, können diese an Optionsbörse frei gehandelt werden. Somit bildet der Markt durch Angebot und Nachfrage den Preis der Option. Ist die Nachfrage groß, so steigt der Preis der Option. Ist die Nachfrage klein, fällt er. Je nach Basiswert, auf den die Option gehandelt wird, gibt es unterschiedliche Optionsbörsen, die heutzutage von jedem Ort mit freiem Internetzugang zugänglich sind. Es gibt also keine Instanz, die den Preis der Option festlegt, da dieser direkt am Markt gebildet wird.

Optionskette IBKR Put auf AMZN Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein
Optionskette in der TWS bei Interactive Brokers: Schreiben einer Put Option auf Amazon, 135 Strike, Laufzeit bis Dezember 2023

Über die Optionsbörsen kannst du Optionen „schreiben“. Das heißt, du verkaufst eine Option an einen Käufer und „erschaffst“ somit die Option. Dafür erhältst du eine Optionsprämie, gehst damit aber vertragliche Verpflichtungen ein. Sofern Käufer am Markt vorhanden sind, kannst du die Option und damit die einhergehenden Pflichten jederzeit (sofern der Markt geöffnet ist) weiter verkaufen.

Auf der anderen Seite kannst du Optionen direkt an der Optionsbörse kaufen, sofern es jemanden gibt, der dir diese Option verkauft. In diesem Fall bezahlst du für die Option und für deine vertraglichen Rechte, die mit der Option einhergehen.

Somit hast du jederzeit die Möglichkeit, eine gekaufte Option zu verkaufen, oder eine verkaufte Option zurückzukaufen. Natürlich immer unter der Prämisse, dass für diese Option (gleicher Basiswert, Laufzeit, Strike) ausreichend Liquidität vorhanden ist.

Was ist ein Optionsschein?

Genau wie bei den Optionen gibt es bei den Optionsscheinen die beiden Typen Call und Put mit denselben Rechten und Pflichten wie eingangs beschrieben. Jedoch lauern hier im Vergleich zu den Optionen wesentliche Unterschiede.

Die Bank ist der Herausgeber

Im Gegensatz zu Optionen, die du frei an der Börse handeln kannst, werden Optionsscheine von Banken heraus gegeben. Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Optionsscheine also um ein Produkt aus dem Bankenwesen. Die Banken wollen Geld verdienen und verkaufen Optionsscheine als „Schnell reich werden Produkt“ an ihre Kunden.

Diese Tatsache hat weitreichende Folgen für den Privatanleger, der mit Optionsscheinen hantiert. Während Optionen von jedem Marktteilnehmer herausgegeben („geschrieben“) werden können, erfolgt dies bei Optionsscheinen nur durch die Banken. Die Bank ist der Emittent des Optionsscheins. Somit kann dieser den Preis bestimmen und dieser wird nicht unbedingt durch Angebot und Nachfrage gebildet, wie es in einem freien Markt der Fall ist.

Das wiederum bringt uns nun zu dem zweiten wesentlichen Unterschied: Dem Emittentenrisiko.

Das Emittentenrisiko

Was passiert, wenn der Herausgeber des Optionsscheins in die Insolvenz geht?

Bei Optionsscheinen haftet erstmal die Bank. Willst du den Optionsschein loswerden, so kannst du ihn bei der Bank wieder verkaufen, die ihn herausgegeben hat. Geht die Bank aber insolvent, so bleibst du vollständig auf deinen Einlagen sitzen.

Ganz anders sind das bei den Börsen gehandelten Optionen aus. Die Herausgeber der Option sind üblicherweise Privatpersonen oder Institutionelle. Beim Schreiben (Verkaufen und somit erzeugen) einer Option hinterlegst du dem Broker eine Sicherheitsleistung und Form von Margin. Bei der Margin handelt es sich um eine Art Sicherheitsleistung, die der Trader stellen muss. Reicht die Margin bei einer laufenden Position nicht aus, wird die verkaufte Option automatisch durch den Broker zurückgekauft, sodass kein Emittentenrisiko bei börsengehandelten Optionen besteht.

Keine Standardisierung

Optionsscheine sind gegenüber den Börsen gehandelten Optionen nicht standardisiert. Während eine Aktienoption sich immer auf 100 Basiswerte bezieht, ist die Bank hier quasi frei in ihrer Produktgestaltung. Hier gilt es dann das Kleingedruckte im Vertrag ganz genau zu lesen, sodass keine bösen Überraschungen lauern.

Keine Preisbildung durch den Markt

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die Preisbildung. Während die aktuellen Preise von Optionen an den Optionsbörsen direkt durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, stellt der Emittent bei Optionsscheinen den Preis. Wenn der Herausgeber selber den Preis bestimmen kann, sieht man klar, wer hier von profitiert.

Fazit: Optionen oder Optionsscheine

Mit diesem Artikel solltest du nun die wesentlichen Unterschiede zwischen den Optionsscheinen, die von Banken heraus gegeben werden und den Börsen gehandelten Optionen kennen.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Unterschiede ist klar, wer von dem Produkt „Optionsschein“ profitiert. In den Medien und Werbeunterlagen wirst du nie groß etwas zu Optionen finden. Mit Optionen verdienen die Banken nämlich kein Geld. Gleichzeitig sind diese aus den oben angemerkten Gründen zum Nachteil der Anleger.

OptionsscheinAktien-Option
Herausgeber / EmittentBankJeder beliebige Marktteilnehmer, der Optionen „schreiben“ möchte und einen entsprechenden Broker hat.
EmittentenrisikoJa, im Insolvenzfall der BankNein. Liquidität vorausgesetzt können Optionen können jederzeit zurückgekauft und die Position geschlossen werden.
Handelsplatznicht vorhandenÖffentliche Handelsplätze (z.B. CBOE, CME, EUREX, etc..)
Preisbildungdurch die Bankdurch Angebot und Nachfrage / durch den Markt
StandardisierungkeineEine Aktienoption bezieht sich immer auf 100 Aktien des Basiswertes. Die genaue Bezeichnung einer Option ist standardisiert (Strike, Laufzeit, Basiswert)
Unterschied zwischen börsengehandelten Optionen und Optionsscheinen

Jetzt, wo du den Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein kennst, sollten Optionsscheine kein Thema mehr sein .Wenn du also langfristig an der Börse ein Einkommen generieren willst, so sind börsengehandelte Optionen und keine Optionssscheine das Mittel zur Wahl.

Falls du einen Optionsbroker suchst, der dir Zugang zu weltweiten Optionsbörsen gibt, so bietet Interactive Brokers einen breiten Zugang zum Markt und das zu sehr günstigen Konditionen.


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